Teilnahme am Visionsworkshop MINT

Am 21. Januar 2026 durfte ich am Visionsworkshop «Wie können wir MINT-Kompetenzen stärken, um die Innovationskraft, technologische Souveränität und den Wohlstand der Schweiz zu erhalten?» teilnehmen. Eingeladen hatten die ETH Zürich, die Hasler Stiftung und proEdu, durchgeführt wurde der Anlass von Expedition Zukunft. Über 35 Personen aus Politik, Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft sassen einen Tag lang an einem Tisch – aus der ganzen Schweiz und über alle föderalen Ebenen hinweg.

Die Aufgabe war aus meiner Sicht ungewohnt: nicht über die Probleme von heute diskutieren, sondern rund dreissig Jahre vorausblicken und beschreiben, wie die Schweiz im Jahr 2045 mit MINT-Kompetenzen umgehen soll. Ich war in einer Doppelrolle unterwegs, als Vertreter der kantonalen Bildungsgestaltung, aber natürlich auch mit Helveticrobot im Hinterkopf. Und ehrlich gesagt: Vieles, was an diesem Tag erarbeitet wurde, beschreibt ziemlich genau, weshalb es den Robotikverein für Mittelschülerinnen und Mittelschüler überhaupt braucht.

Begeisterung ist der eigentliche Hebel

Eine der Arbeitsgruppen kam zu einem Schluss, der mir besonders gefallen hat: Die Schweiz wird sich international nicht einfach als MINT-Standort «verordnen» können. Der entscheidende Hebel liegt vorgelagert: bei der Begeisterung und dem Bewusstsein für MINT. Technik und Naturwissenschaft müssen als relevant, sinnstiftend und wirksam erlebt werden, im Alltag, nicht nur auf dem Papier.

Genau dafür braucht es Orte und Formate, an denen das passiert. Ein typischer Sonntagnachmittag, an dem der Roboter nach dem zehnten Versuch endlich der Linie folgt, ist so ein Ort. Begeisterung entsteht nicht durch Aufrufe, sondern durch Erfolgserlebnisse, und die produzieren wir bei Helveticrobot immer wieder aufs Neue.

Zugang darf nicht vom Zufall abhängen

Ein zweites Handlungsfeld traf einen wunden Punkt: Heute hängt der Zugang zu MINT-Angeboten stark vom Elternhaus, von engagierten Lehrpersonen oder vom regional verfügbaren Angebot ab. Also häufig vom Zufall statt vom System. Dazu kommt der nach wie vor tiefe Frauenanteil in technischen Berufen, der je nach Bereich bei rund 10 bis 15 Prozent liegt.

Hier kann ein niederschwelliges, ausserschulisches Angebot tatsächlich etwas im Kleinen bewegen: Talente früh sichtbar machen und gezielt auch jene ansprechen, die sonst kaum mit Robotik in Berührung kämen. Im Workshop wurde sogar über öffentlich zugängliche MINT-Orte nachgedacht, ähnlich wie Bibliotheken. Bei Helveticrobot versuchen wir das zu sein, indem wir auch offen für Berufslernende sind und auch schon einige Mitglieder neben den Kantonsschülerinnen und -schüler hatten.

Lernen, das anders funktioniert als im Schulzimmer

Das dritte Thema, das mir in Erinnerung blieb, war der Wandel weg von reiner Wissensvermittlung hin zu projektbasiertem, experimentellem und kooperativem Lernen. Einem Lernen, das Motivation, Selbstwirksamkeit und Problemlösefähigkeit fördert.

Das ist im Kern die DNA unseres Robotikvereins und auch der Grund warum wir ihn gegründet hatten: ausprobieren, scheitern, neu ansetzen, gemeinsam eine Lösung bauen. Und die viel zitierten «4K», kreatives Denken, kritisches Urteilsvermögen, Kommunikation und Kooperation/Zusammenarbeit, entstehen bei uns nicht aufgrund des Lesens eines Lehrbuchs, sondern am Tisch mit Kabeln, Code und einem Abgabetermin. Gerade in einer Zeit, in der KI Routineaufgaben übernimmt, gewinnen meiner Meinung nach genau diese Fähigkeiten an Bedeutung.

Was ich mitnehme

Der Workshop hat mehrere Handlungsfelder erarbeitet: von gesellschaftlicher Verankerung über Chancengerechtigkeit bis zu Sicherheit und Souveränität. So gross diese Begriffe klingen, so klar wurde an diesem Tag auch: Sie fangen ganz unten an, bei dem einzelnen Jugendlichen, der zum ersten Mal selbst etwas zum Funktionieren bringt.

Am Anlass war oft von einer «Verantwortungsgemeinschaft» die Rede, d. h. von vielen Akteurinnen und Akteuren, die gemeinsam an der MINT-Förderung dranbleiben. Es war ein gutes Gefühl, zu spüren, dass wir mit dem Verein Helveticrobot Teil dieser Gemeinschaft sind. Auf dem Workshop-Banner stand passenderweise: Trust the Process. Diesen Satz nehme ich mit. Und ich freue mich auf die nächste Saison, auf die kniffligen Momente, in denen es nicht klappt, und auf jene, in denen es bei einer Jugendlichen oder einem Jugendlichen «Klick» macht und dieser Glücksmoment ungeahnte Motivation für neue Herausforderungen auslöst.

Download: Workshop-Bericht